Auf-Wirkung: Aufarbeitung für wirksame Schutzkonzepte in Gegenwart und Zukunft

 

Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs:

Der Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs hat im Jahr 2016 die Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs berufen. Die Kommission untersucht sämtliche Formen von sexuellem Kindesmissbrauch in Deutschland. Sie soll Strukturen aufdecken, die sexuelle Gewalt in der Kindheit und Jugend ermöglicht haben und herausfinden, warum Aufarbeitung in der Vergangenheit verhindert wurde. Die Kommission hat unter anderem die Aufgabe, Betroffene und Zeitzeug*innen anzuhören und somit die Möglichkeit zu schaffen, auch verjährtes Unrecht mitzuteilen. Die Angaben der Betroffenen oder Zeitzeug*innen erfolgen entweder in schriftlichen Berichten, die diese per E-Mail oder Brief an die Kommission übersenden, oder mündlich in vertraulichen Anhörungen durch Kommissionsmitglieder oder Anhörungsbeauftragte. Für deren wissenschaftliche Auswertung haben sich fünf Forschungsinstitutionen zu dem Verbundprojekt „Auf-Wirkung“ zusammengeschlossen. Eines der fünf Projekte ist im IPP angesiedelt.

 

Teilprojekt:

Salutogenetische und resiliente Ressourcen von sexualisierter Gewalt Betroffener.
Was ihre Bewältigungskarrieren an Empowermentperspektiven eröffnen.

Thema:

In der Arbeit der Unabhängigen Aufarbeitungskommission kommt es zu Begegnungen mit Menschen, die ihre Erfahrungen mit sexualisierter Gewalt in Familien und pädagogischen Institutionen in einer unerwarteten Weise verarbeitet haben und aus diesen Verarbeitungsprozessen erstaunliche Energie, Lebenszuversicht und teilweise kämpferische Haltungen ziehen. Sie waren als Kinder oder Jugendliche von sexualisierter Gewalt betroffen und die Berichte aus den Anhörungen legen die Annahme nahe, dass diese Erfahrungen ihr weiteres Leben nachhaltig beeinflusst haben. Aber sie sind nicht in Symptommustern posttraumatischer Belastungen gefangen und lehnen den dauerhaften „Opferstatus“ ab. Offensichtlich verfügen diese Personen über individuelle oder auch gruppenspezifische Bewältigungsressourcen und -kompetenzen. Ziel ist es, resilient und salutogenetisch wirkende Prozesse und ihre Bedeutung für eine gelungene Handlungsfähigkeit genauer zu verstehen.

Vorgehen:

Das Teilprojekt untersucht die Erzählungen und Berichte von Betroffenen, die ihre Erfahrungen so verarbeiten konnten, dass sie heute in der Lage sind, ein selbstbestimmtes und gemeinschaftsfähiges Leben führen zu können. Wir haben zum Ziel, die Widerstandkräfte zu identifizieren und zu fokussieren, die diese Bewältigung ermöglichen konnten.
Die Berichte und Anhörungen, die uns von den Betroffenen zur Verfügung gestellt wurden, werden systematisch ausgewählt und über ein qualitativ inhaltsanalytisches Verfahren ausgewertet. Die Erkenntnisse werden mit institutionellen Herausforderungen von Beratungsprozessen gegenübergestellt und in Gruppendiskussionen mit Fachkräften diskutiert.

Team:

Sonja Mende M.A. (Projektmitarbeiterin), Dr. Florian Straus und Prof. Dr. Heiner Keupp (Projektleiter)

 

Verbundprojekt:

Das Verbundprojekt „Auf-Wirkung“ soll Erfahrungen von Betroffenen in und mit Institutionen verschiedener historischer Phasen themenspezifisch analysieren, aufbereiten und dabei auch strukturelle Ermöglichungsbedingungen und lebensweltlich relevante Aspekte von Nähe/Distanzverhältnissen rekonstruieren, die daraus resultierenden Erkenntnisse mit aktuellen Herausforderungen kontrastieren und weiterführen und anwendungsbezogene Leitlinien für eine Aufarbeitung vor Ort und den institutionellen Schutz von Kindern und Jugendlichen in Zukunft entwickeln.

Institutionen des Verbundprojektes:

Auf-Wirkung
 

Auftraggeber:

Bundesministerium für Bildung und Forschung

 

Laufzeit:

Das Projekt läuft bis April 2021 mit anschließender Publikation.