Aufarbeitung sexualisierter Gewalt im Bistum Essen von 1958 bis heute

 

Thema:

Im Bistum Essen haben sich als Konsequenz aus der MHG-Studie verschiedene Projektgruppen zur Aufdeckung, Aufarbeitung und Prävention von sexuellem Missbrauch und sexualisierter Gewalt gegründet, die einen breiten Blick auf das Themenfeld ermöglichen. Zu den Vorhaben in diesem Zusammenhang gehört auch eine historische und systematische Aufarbeitung des Umgangs mit sexualisierter Gewalt im Bistum Essen vom Gründungsjahr 1958 bis heute. In dieser Studie stehen die Strukturen und Personen im Mittelpunkt, die sexualisierte Gewalt begünstigt oder deren Aufdeckung verhindert haben. Dazu werden auf der Grundlage von Aktenstudien Tiefenanalysen von ausgewählten Fällen sexualisierter Gewalt und Grenzverletzungen durch Kleriker oder andere Mitarbeiter*innen des Bistums Essen gegenüber Minderjährigen durchgeführt.

Verfolgt werden drei Untersuchungsstränge:

• Die individuelle Ebene: Hier geht es um Rekonstruktionen und vertiefte Analysen bestimmter Tatverläufe. Wie wurde von Bistumsverantwortlichen mit Hinweisen auf sexualisierte Gewalt verfahren? Wie war der Umgang mit Betroffenen? Welche Auswirkungen hatten die Taten für die Betroffenen? Wie wurde mit den Beschuldigten bzw. den Täter*innen verfahren? Für diese Analyse werden vor allem Interviews mit Betroffenen durchgeführt, aber – wenn möglich – auch mit Beschuldigten bzw. Täter*innen.
• Die organisationale Ebene: Hier wird untersucht, wie sich Vorwürfe in Bezug auf sexualisierte Gewalt durch einen Geistlichen auf ganze Kirchengemeinden ausgewirkt haben. Dazu werden Fallstudien in Kirchengemeinden, in „irritierten Systemen“, durchgeführt.
• Die normative/diskursive Ebene: Hier geht es u. a. um zeitgeschichtliche Rekonstruktionen der relevanten Diskurse zu Sexualität und Sexualmoral in der katholischen Kirche, speziell in der Priesterausbildung und deren Niederschlag in (organisationalen) Regelungen zum Umgang mit Missbrauchsvorwürfen und Beschuldigten bzw. überführten Tätern.

Ziel der Studie ist es, aus den Erkenntnissen der Vergangenheit Kriterien für eine Überprüfung der kirchlichen Strukturen im Bistum Essen zu generieren und das Präventionskonzept im Bistum zu überprüfen und ggf. zu verbessern.

Bei der Durchführung der Aufarbeitungsstudie kooperiert das IPP mit Dissens- Institut für Bildung und Forschung e.V., Berlin.

 

Vorgehen:

In der modulhaft aufgebauten Untersuchung steht die Perspektive der Betroffenen im Vordergrund. Durchgeführt werden multiperspektivische Fallanalysen, die in exemplarischer Weise Risikokonstellationen aufdecken und somit Einsichten in unterschiedliche Dynamiken gewähren, die sich um die Ausübung sexualisierter Gewalt innerhalb des Bistums Essen gruppierten und möglicherweise noch gruppieren.

Auswertung von Personal- und Geheimakten, Interviews mit Betroffenen, mit Täter*innen, mit Schlüsselpersonen aus dem Bistum und aus den Kirchengemeinden, Analyse von Dokumenten und Literatur.

 

Auftraggeber:

Bistum Essen

 

Team:

Helga Dill (Projektleitung), Gerhard Hackenschmied, Dr. Peter Mosser, Malte Täubrich (Dissens)

 

Laufzeit:

1.3.2020 – 31.3.2022

  

Veröffentlichungen:

Pressespiegel

Aufruf