Evaluation des Pilotprojekts „SoulCaRe“ von Refugio

 

Thema

Mit dem Pilotprojekt „SoulCaRe“ ermöglicht Refugio München seit Januar 2021 Früherkennung traumatisierter und psychisch erkrankter Asylsuchender in der Erstaufnahme. Das Team aus Fachärzt*innen, psychosozialen Berater*innen und Sozialpädagog*innen ist in der Kurzaufnahmeeinrichtung in der Lotte-Branz-Straße in München dafür zuständig, Asylsuchende mit besonderer Schutzbedürftigkeit zu identifizieren und sie anhand psychosozialer Beratung und psychiatrischer Diagnostik zu unterstützen. Dies kann dazu beitragen, eine Verschlechterung oder Chronifizierung von psychischen Symptomen und Störungen zu verhindern. Ein nicht rechtzeitig erkannter Behandlungsbedarf kann auch zu einer Beeinträchtigung im Asylverfahren führen. Eine frühzeitige Erkennung und Umsetzung besonderer Bedarfe, wie z.B. eine bedarfsgerechte Unterbringung oder psychiatrische Behandlung, stabilisiert und reduziert hingegen Stressfaktoren und bildet die Grundlage für eine nachhaltigere Integration. Aus eigenen Erfahrungen im Rahmen eines Projektes in einem Anker-Zentrum hat das Team von Refugio München ein dreistufiges Konzept entwickelt, um besondere Schutzbedarfe frühzeitig nach Ankunft in Deutschland zu erkennen und bedarfsgerecht darauf zu reagieren. In einem ersten Schritt soll durch die Kontakt suchenden psychosozialen Berater*innen ein niedrigschwelliger Zugang ermöglicht werden. Die Mitarbeiter*innen mit Migrationshintergrund sollen einen Kontakt herstellen und über das Angebot aufmerksam machen sowie eventuell zu den weiteren Terminen begleiten. Fachärzt*innen für Psychiatrie und Psychotherapie für Kinder und Jugendliche oder Erwachsene führen über mehrere Gespräche die Diagnostik durch und erstellen die entsprechenden Dokumente für die jeweiligen Behörden mit Empfehlungen hinsichtlich der weiteren Unterbringung, der medizinischen bzw. psychiatrischen/psychotherapeutischen Versorgung und des Asylprozesses. Durch individuelles Case-Management durch die Sozialpädagog*innen soll abschließend dafür Sorge getragen werden, dass die spezifischen Bedarfe im weiteren Verlauf berücksichtigt werden. Das IPP hat die wissenschaftliche Begleitung und Evaluation des Pilotprojekts übernommen.

 

Methodisches Vorgehen

Für die wissenschaftliche Begleitung und Evaluation des Pilotprojekts SoulCaRe wird eine Kombination aus qualitativen und quantitativen Methoden angewendet:

  • Eine Literaturrecherche zum Thema Früherkennung von besonderen Schutzbedarfen trägt dazu bei, das Projekt SoulCaRe im deutschen Diskurs zu positionieren.
  • Die Fallverläufe werden anhand eines partizipativ entwickelten Rasters fortlaufend dokumentiert und ausgewertet.
  • Zu verschiedenen Zeitpunkten werden qualitative Interviews mit den Projektmitarbeiter*innen und Kooperationspartner*innen in der Kurzaufnahmeeinrichtung sowie ausgewählten Mitarbeiter*innen der Anschlussunterbringungen, des BAMFs und der Regierung Oberbayerns geführt.

 

Team

Helga Dill, Dr. Florian Straus, Melike Pusti, Franziska Behringer

 

Laufzeit

April 2021 – Juni 2022