Sexuelle Grenzverletzungen, psychische und körperliche Gewalt in Institutionen

 

Thema:

In den letzten Jahren wurden immer mehr Missbrauchs- und Misshandlungsvorfälle in Institutionen bekannt. Das IPP verfolgt in der Analyse dieser Fälle einen sozialpsychologischen Ansatz. Dabei geht es in der Regel darum, die individuellen Folgen und die organisatorisch-strukturellen Hintergründe der Vorfälle aufzuhellen mit der doppelten Zielsetzung, sowohl zu einer konstruktiven Vergangenheitsbewältigung, als auch zur Prävention beizutragen. So kann die Analyse auch den Prozess der (Wieder-)Verständigung zwischen den Opfern von (körperlichen, psychischen und sexuellen) Grenzverletzungen und der jeweiligen Institution ermöglichen bzw. fördern.

Das IPP teilt die Einschätzung der Kommission der Unabhängigen Beauftragten zur Aufarbeitung des sexuellen Kindesmissbrauchs, dass „die Einbeziehung der Perspektive von Schülerinnen und Schülern sowie von Kindern und Jugendlichen in Schulen, Internaten und Heimen unbedingt erforderlich ist“. Nur auf diese Weise ließe sich beispielsweise feststellen, ob unter Kindern und Jugendlichen Verdachtsfälle sexuellen Missbrauchs auf anderen Wegen bekannt werden oder ob in der Institution vorhandene Maßnahmen der Prävention tatsächlich bei den Kindern und Jugendlichen ankommen. Aus diesen Gründen trägt das IPP dazu bei, Formen einer sinnvollen und zugleich entwicklungssensiblen Befragung von Kindern und Jugendlichen zu entwickeln.

 

Vorgehen:

Neben der Analyse der vorhandenen Akten und Materialien basiert der Forschungsansatz vor allem auf ausführlichen qualitativen Interviews mit Opfern, Tätern und weiteren ehemaligen Schülern bzw. Lehrern, Internatserziehern/ Präfekten und Angehörigen. Ergänzend werden auch quantitative Befragungen durchgeführt.

 

Auftraggeber bisheriger / laufender Studien:

  • Benediktinerabtei Ettal
  • Stift Kremsmünster
  • Odenwaldschule
  • Stadt München
  • Bistum Hildesheim
 

Team:

Prof. Dr. Heiner Keupp, Dr. Florian Straus, Dr. Peter Mosser, Dipl.-Psych. Wolfgang Gmür, Dipl.-Psych. Gerhard Hackenschmied, Psychologin (M.Sc.) Bettina Busch.

 

Veröffentlichungen:

Mosser, P., Hackenschmied, G. & Keupp, H. (2016). Strukturelle und institutionelle Einfallstore in katholischen Einrichtungen. Eine reflexive Betrachtung von Aufarbeitung sexueller Gewalt in katholischen Klosterinternaten. Zeitschrift für Pädagogik 2016 (5), 656-669.

Keupp, H., Straus, F., Mosser, P., Gmür, W. & Hackenschmied, G. (2017). Schweigen – Aufdeckung – Aufarbeitung. Sexualisierte, psychische und physische Gewalt im Benediktinerstift Kremsmünster. Berlin: Springer.

Keupp, H., Straus, F., Mosser, P., Gmür, W. & Hackenschmied, G. (2017). Sexueller Missbrauch und Misshandlungen in der Benediktinerabtei Ettal: Ein Beitrag zur wissenschaftlichen Aufarbeitung. Berlin: Springer.