Reflexive Individualisierung und posttraditionale Ligaturen (1999 - 2009)

 

Thema:

Ziel des Projektes ist es, zu untersuchen, in welcher Weise Prozesse »reflexiver Modernisierung« die sozialen Bezüge der Subjekte heute prägen und zu sozialen Figurationen führen, die sich qualitativ von jenen unterscheiden, die für die erste Moderne prägend waren. Die zentrale Frage ist: Vollzieht sich ein Formwandel sozialer Integration? Damit verbindet sich der Anspruch, eine sozialpsychologische Theorie sozialer Verortung weiterzuentwickeln und diese für die Konkretisierung der Theorie der »reflexiven Modernisierung« fruchtbar zu machen.

 

Vorgehen:

Das Projekt B2 will in der dritten Antragsperiode (2005-9) die Arbeit an einer sozialpsychologisch fundierten Theorie sozialer Verortung fortführen und abschließen. Mit sozialer Verortung meinen wir den von Zugehörigkeits-, Anerkennungs- und Vertrauenskonstruktionen bestimmten Prozess sozialer Einbettung in verschiedene Lebenswelten. Nach der Analyse subjektiver und institutioneller Verortungsstrategien untersuchen wir in der dritten Forschungsperiode die kollektiven Wir-Bezüge des Subjekts. Wir analysieren, wie Subjekte sich auf kollektive Wir-Konstruktionen beziehen, welche Funktionen diese Bezüge für sie erfüllen, wie die “Grenzverhandlungen” für diese Zugehörigkeitskonstruktionen verlaufen und welche Ressourcen dafür notwendig sind.

In den bisherigen zwei Antragsperioden haben wir uns auf einen klar eingrenzbaren Verortungskontext beschränkt: das bürgerschaftliche Engagement in Vereinen und Initiativen. In der ersten Antragsperiode hatten wir zunächst die subjektive Verortung in Netzwerken analysiert und Hinweise auf reflexiv-moderne Verortungsmuster gesammelt. In der zweiten Antragsperiode haben wir uns auf die Mesoebene der Institutionsperspektive konzentriert. Wir fragten, wie sich veränderte Mitgliedschaftsmotive aus der Sicht der Mitglieder auf institutionelle Arrangements auswirken.

In der dritten und abschließenden Antragsperiode behalten wir die sozialpsychologische Perspektive bei, erweitern aber den Fokus auf die Konstruktion kollektiver Identitäten. Zur empirischen Bearbeitung dieser Aufgabe organisieren wir periodisch tagende, spezifisch zusammengesetzte Diskussionsgruppen zum moderierten Austausch über ihre subjektiven Wir-Konstruktionen.

   

Team:

Heiner Keupp (Projektleitung), Renate Höfer (Koordination), Alexander Jungmann, Holger Knothe, Wolfgang Kraus, Florian Straus

 

Publikationen:

  • Keupp, H., Höfer, R., Jungmann, A., Knothe, H., Kraus, W., Straus, F. (2009). Individualisierung und posttraditionale Ligaturen – die sozialen Figurationen der reflexiven Moderne – Abschlussbericht. (Download)
  • Holger Knothe & René John (2007). Globalisierung und kein Ende? Zur Problemkonstruktion der neuesten sozialen Bewegung. In Yvonne Bemerburg & Arne Niederbacher (Hg.), Die Globalisierung und ihre Kritik(er). Zum Stand der aktuellen Globalisierungsdebatte (S. 151-164). Wiesbaden: VS-Verlag.
  • Kraus, Wolfgang (2006). The narrative negotiation of identity and belonging. In Michael Bamberg (Hg.), Narrative – State of the Art (S. 123-132). Amsterdam: John Benjamins.
  • Kraus, W. (2006). Die Veralltäglichung der Patchwork-Identität. Veränderungen normativer Konstruktionen in Ratgebern für autobiographisches Schreiben. In Günter Burkart (Hg.). Die Ausweitung der Bekenntniskultur – neue Formen der Selbstthematisierung? (S. 235-259). Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.
  • Keupp, Heiner & Hohl, Joachim (Hrsg.) (2006). Subjektdiskurse im gesellschaftlichen Wandel. Zur Theorie des Subjekts in der Spätmoderne. Bielefeld: transkript Verlag. 25,80 €. Mehr Info (27.09.06)
  • Kraus, Wolfgang (2006). Alltägliche identitätsarbeit und Kollektivbezug. Das wiederentdeckte Wir in einer individualisierten Gesellschaft. In Heiner Keupp & Joachim Hohl (Hrsg.), Subjektdiskurse im gesellschaftlichen Wandel. Zur Theorie des Subjekts in der Spätmoderne (S. 143-164). Bielefeld: transkript Verlag. (27.09.06)
  • Kraus, Wolfgang (2006). Angst und Individualisierung. Die Not der Einzelnen und die Ohnmacht der Gruppe. In Cornelia Edding & Wolfgang Kraus (Hrsg,), Ist der Gruppe noch zu helfen? Gruppendynamik und Individualisierung, (S. 43-60). Opladen: Barbara Budrich-Verlag.
  • Kraus, Wolfgang (2006). The narrative negotiation of identity and belonging. Narrative Inquiry, 16 (1), 103-111.
  • Keupp, H., Höfer, R., John, R., Knothe, H., Kraus, W., Straus, F. (2005). Fortsetzungsantrag 2005 – 2009. (Download 150 kb)
  • John, René (2004). Vertrauen in Organisationen sozialen Engagements. IPP-Arbeitspapiere – Nr. 2 (PDF 800 kb)
  • Knothe, Holger & John, René (2004). Problemkonstruktion, Identität und Reflexion. Beobachtungen bei Attac. IPP-Arbeitspapiere – Nr. 3 (760 kb)
  • Knothe, Holger (2004). Anerkennungsverhältnisse und Bürgerschaftliches Engagement. IPP-Arbeitspapiere – Nr. 6 (750 kb)
  • John, René & Knothe, Holger (2004). Soziale Verortung. Eine Heuristik zur Beschreibung und Erklärung von Prozessen sozialer Einbettung in Gemeinschaften. IPP-Arbeitspapiere – Nr. 7 (780 kb)
  • Höfer, Renate (2004). Zwischen Traditionsbehauptung und Neuerfindung. Bürgerschaftliches Engagement am Beispiel der Naturfreunde e.V. IPP-Arbeitspapiere – Nr. 8 (840 kb)
  • Kraus, W. (2002). Falsche Freunde. Radikale Pluralisierung und der Ansatz einer narrativen Identität. In Jürgen Straub & Joachim Renn, Transitorische Identität. Der Prozesscharakter des modernen Selbst, (S. 159-186). Frankfurt/M.: Campus.
  • Kraus, W. (2002). The construction of belonging in post-modern times. Narrative accounts of joining a volunteer organisation as constructions of social selves. (Download 47 kb)
  • Keupp, H., Jain, A., Kraus, W., Straus, F. (2002). Fortsetzungsantrag 2002 – 2005. (Download 222 kb)
  • Keupp, H., Höfer, R., Jain, A., Kraus, W., Straus, F. (2002). Bericht über die Antragsperiode 1999 – 2002. (Download 124 kb)
  • Jain, A, Höfer, R., Keupp, H. & Kraus, W. (2002). Facing »another modernity«: individualization and post-traditional ligatures. European Review, 10 (1), 131-157.